Dessau 2002

Mein letzter großer Einsatz war im August diesen Jahres in Dessau. Unsere Fachgruppe fuhr mit der noch nicht einsatzbereiten Fachgruppe F/K aus dem NachbarGFB am 16.08.2002 nach Dessau. Unsere Alarmierung war um 5:45 morgens. Die F/K die zur personellen Unterstützung mit uns mit fuhr traf gegen 8:00 Uhr in unserer Unterkunft ein

 

Dieses Bild wurde etwa 10min vor unserer Abfahrt gemacht. Wir waren motiviert bis unter die Hutschnur. Unsere Fachgruppe blieb genau zwei Wochen im Einsatz in Dessau

 

Wir sollten vor der großen Flutwelle in Dessau ankommen

 

5 min nach Abfahrt.

1. Totalausfall

 

Das war die Fahrt durch etwa 20 km Stau. Nach etwa 30 minuten geht einem das Martinshorn tierisch auf die Nerven. Ehrlich!

 

 

kurz vor unserem Ziel wurden wir durch einen Lotsen empfangen, der uns durch seine Ortskenntnis weit voraus war und uns und andere Verbände auf rechten Weg brachte.
Und so sieht ein Teil eines überdimensionalen geschlossenem Verbands aus, der während der Fahrt etwa eine Länge von einem Kilometer (!) hat  

 

Dessau bei Nacht, alter Flughafen. Hier ist schon lange egal welcher Organisation man angehört oder nicht.
selbst die Wahl der Fahrzeuge vor Ort richtet sich nach einem Kriterium: Kann man Sandsäcke transportieren

 

 

selbst private PKW samt Anhänger wurden mit Säcken beladen. Es kamen Menschen zum Helfen, die selbst nicht vom Wasser bedroht waren. Selbst Firmen stellten Transport- und Ladekapazitäten zur Verfügung. Die Bundeswehr transportierte sogar “Zivilisten” auf Ihren Ladeflächen ihrer LKW. Auf anderen LKW lagen und saßen Menschen auf den Sandsäcken.

 

Selbst ein Ameisenhaufen hätte im Vergleich zu der Landebahn geordneter ausgesehen. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut wenn ich an diesen Anblick zurückdenke. Ich habe seit diesem Tag eine andere Einstellung zu dem Wort “Katastrophe”

 

 

Unsere Gruppe richtete in Dessau eine Führungsstelle für THW-Einheiten ein und betrieb diese.. Wir richteten einen Bereitstellungsraum ein in denen die Helfer schlafen und sich ausruhen konnten. Hierzu eignete sich besonders das BBZ am Stadtrand von Dessau. Unsere Führungsstelle richteten wir zirka 800m entfernt in einer Grundschule ein. Selbst in den Unterrichtsräumen und in der Turnhalle hatten wir Helfer Untergebracht. Hinter der Schule auf dem Schulhof richtete sich die Log-V (Versorgungseinheit) aus Aachen ein und sorgte für Essen rund um die Uhr für hunderte von Helfern. Neben dem BBZ richtete sich die Log-M ein und bewirkte dort wahre Wunder mit ihrer sechs Mann starken Mannschaft.

Unsere Ankunft an der “Grundschule an der Schaftrift” am Stadtrand von Dessau. Auf der linken Seite sind unseren Betten für die nächsten zwei Wochen zu sehen. Leider hatten wir nur Wechselwäsche für etwa eine Woche eingepackt. Gott sei Dank gibt es Rei in der Tube

 

In unserer Führungsstelle wurde ich mit zwei meiner Kameraden in der Fernmeldezentrale eingesetzt. Die Fernmeldezentrale leitet sämtliche Nachrichten von der Führungsstelle zu den Einheiten und auch umgekehrt. Wir verlegten eine AviTel-Anlage (ähnlich den Feldtelefonen) zwischen dem BBZ, den Logistik-Gruppen, dem Meldekopf (registriert Mannschafts- und Fahrzeugstärken in den Bereitstellungsräumen) und innerhalb der Grundschule.

 

 

Michael bei der Arbeit

Vorderansicht unserer Schule

Zur Kommunikation standen uns Funk, Telefon, Fax, AviTel und Internet zur Verfügung. Der Informationsaustausch über Funk war jedoch nur bedingt nutzbar da der uns zugewiesene Kanal hoffnungslos überlastet war.

In unserer Fernmeldezentrale waren wegen Personalmangel 24-Stunden Dienste fast die Regel. Wer nicht arbeitete war entweder am essen oder am schlafen. Ich konnte sogar eine halbe Stunde über dem Lenkrad schlafen, als wir einen Kameraden ins Krankenhaus brachten, und behaupten das es erholsam war (Michael hatte es besser, er hatte die Rückbank für sich alleine).

 

Als ich mit einem Fachberater nach Waldersee zur Lagebesprechung fuhr, konnte ich auch das Ausmaß der Katastrophe in Waldersee sehen. In der Luft lag ein Geruch von Heizöl, Schimmel, fauliger Geruch von Pflanzen und Verwesung (Tierkadaver). Am Tag wurden bis zu 90 Kadaver aufgefunden, meist kleinere Tiere. Aber auch ein Jungbulle fiel dem Wasser zum Opfer, er war bei der Evakuierung entlaufen.

 

Der “Haufen” auf der linken Seite breitete sich vorher über die komplette Straße aus. Er besteht aus so ziemlich allem was ein Haushalt so bieten kann, Holzzäunen die dem Wasser nicht stand hielten, Mauerresten, Pflanzenresten, Steinen, Sand, Müll und gelegentlich ein ertrunkenes Tier. In diesem Wohngebiet hatten einige Familien Heizöl in Kellertanks
Dieses Hochwasser werden Anwohner und Helfer bestimmt nie vergessen. Als der Damm brach rollte eine etwa zwei Meter hohe Welle über Waldersee. Viele Häuser die direkt von der Welle getroffen wurden sind einsturzgefährdet. Das Wasser stand ungefähr eine Woche knapp unterhalb der Höchstmarke.

 

Quelle Bilder: www.thw.de